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Zertifizierung: Pflicht oder Kür?

Man mag über Sinn oder Unsinn der Zertifizierung von allem und jedem streiten. Unbestreitbar ist jedoch, dass wir in Zeiten der Globalisierung allgemein und weltweit verbindliche Qualitätstandards brauchen und deren Einhaltung überprüfbar sein muss. So ist in einigen Branchen wie beispielsweise in der Luftfahrt, der Medizintechnik, der Pflege oder der Arznei- und Lebensmittelherstellung die Erfüllung von Qualitätsstandards gesetzlich vorgeschrieben. Hier ist Zertifizierung Pflicht.

Andere Unternehmen lassen sich zertifizieren, weil sie sich davon Wettbewerbsvorteile versprechen. Vor allem in der Automobilbranche kommt man um eine Zertifizierung kaum noch herum, da die Branche fast nur noch mit zertifizierten Zulieferern arbeitet. Ein Grund dafür liegt u.a. in der Senkung des Haftungsrisikos. Die Unternehmen gehen davon aus, dass zertifizierte Firmen Ihre Arbeitsprozesse optimal im Griff haben und die Endprodukte seltener Anlass zur Klage geben.

Doch nicht nur in der Industrie und Produktion ist die zunehmende Tendenz zur Zertifizierung zu beobachten. Auch Architekten, Hotels und Planungsbüros schmücken sich gerne mit dem ISO-9001-Zertifikat. Bereits ein Drittel der weltweit zertifizierten Unternehmen gehören zur Dienstleistungsbranche. Und auch in den Wissenschaften, in Lehre und Forschung und in Schulen wird fleißig zertifiziert und evaluiert. Interne und externe Begutachtung soll die Leistungsfähigkeit von Bildungsinstitutionen steigern. Allerdings gestaltet sich bei Schulen und Universitäten Qualitätsmanagement schwieriger als anderswo. Es gibt offensichtlich viele organisatorische Hindernisse. Qualitätsbeauftragte von Universitäten könnten den Professoren nicht vorschreiben, wie sie ihre Seminare zu gestalten hätten und es gebe zudem keine allgemeingültige Definition für QM in der Lehre, wird Andreas Stich, Leiter des Dezernats für Hochschulplanung und Controlling an der Universität Dortmund, in einem Bericht der Financial Times Deutschland zitiert. Für die Schulen werde die Einführung transparenter Verfahren zu einer neuen Professionalisierung führen, meint dem Bericht zufolge Volker Gelhaar, stellvertretender Direktor des Landesinstituts für Schulentwicklung in Baden-Württemberg. Deshalb werden auch an Schulen vermehrt Qualitätsprüfer zum Einsatz kommen.

("Qualität in der Lehre ist schwer zu fassen" von Oranus Mahmoodi, zitiert nach www.ftd.de)