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Das Exzellenz-Modell nach EFQM

Das EFMQ-Modell wurde 1988 von der European Foundation for Quality Management (EFQM) entwickelt. Heute arbeiten nach Schätzungen ca. 10.000 Unternehmen mit und nach diesem Qualitätsmanagement-Modell. Es handelt sich dabei um ein "offenes" Wettbewerbsmodell. Als solches enthält es keine expliziten Forderungen, die zu erfüllen sind. Es arbeitet lediglich mit qualitätsrelevanten Kriterien oder Grundprinzipien und zielt auf Selbstverantwortung in der Bewertung, ermöglicht aber ebenso wie das Modell der EN ISO 9001 die Zertifizierung. Für das EFQM-Zertifikat kommen externe Assessoren, für das ISO-Zertifikat kommen Auditoren.

Grundsätzlich ist das EFQM-Zertifikat umfassender, da es mehr die Prozessorientierung berücksichtigt als das ISO-Zertifikat. Letzteres führte erst im Jahr 2000 die Prozessorientierung ein. Besonderheiten des EFMQ-Modells liegen auch in der stärkeren Gewichtung von partnerschaftlichen Beziehungen zu Lieferanten und der Mitarbeiterorientierung.

Das EFQM-Modell ist ein Werkzeug, das Hilfestellung für den Aufbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung eines umfassenden Managementsystems gibt. Mit seiner Hilfe können Stärken, Schwächen und Verbesserungspotenziale erkannt — und die Unternehmensstrategie auf Exzellenz hin ausgerichtet werden.
Das Modell enthält 9 Hauptkriterien, die in zahlreiche Unter- bzw. Subkriterien unterteilt sind.

Die 9 Kriterien des EFQM

1. Führung

Das Führen zu exzellenten Ergebnissen fordert sichtbares Engagement der Führungskräfte in Bezug auf Qualität. Sie haben eine Vorbildfunktion und sind als solche Träger der Unternehmenskultur. Neben ihrer Verantwortung für die Geschäftsergebnisse, für die Beziehungen zu Kunden, Partnern und zu der Öffentlichkeit, gilt ihre besondere Verantwortung auch der Mitarbeiterzufriedenheit.

2. Politik und Strategie

Dieses Kriterium erfasst die Festlegung von Unternehmenspolitik und -strategie aufgrund relevanter Informationen und Daten. Dazu gehört die regelmäßige Aktualisierung und Verbesserung der Strategie, sowie die Kommunikation nach innen und außen.

3. Mitarbeiterorientierung

Hier geht es darum, wie Mitarbeiter regelmäßig fachlich, methodisch und in ihrem zwischenmenschlichen Verhalten geschult und vorangebracht werden. Die Fähigkeiten der Mitarbeiter sollen entdeckt, gefördert und gezielt eingesetzt werden. Mitarbeiter sollen Entscheidungen, die ihren unmittelbaren Arbeitsbereich betreffen, selbst treffen können. Dafür müssen sie alle relevanten Informationen erhalten und mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet sein. An Entscheidungen, die mittelbar den eigenen Arbeitsbereich betreffen und sich auf das gesamte Unternehmen beziehen, sind die Mitarbeiter zu beteiligen. Die Wirksamkeit der Komunikation über die Hierarchieebenen hinweg spielt hierbei eine große Rolle.

4. Partnerschaften und Ressourcen

Dieser Punkt betrifft das Management der externen Partnerschaften, der Finanzen, der Technologie und Informationen sowie den Umgang mit Materialien und Ausrüstungsgütern. Er betont und fordert ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Lieferanten. Die Lieferanten-Leistungen gehen als Input in den Produktionsprozess mit ein und wirken sich somit auf die Qualität des Endproduktes aus. Es gilt hier, Unsicherheiten zu beseitigen und die Qualität dieser Vorleistungen dadurch erhöhen.

5. Prozesse

Prozesse werden identifiziert, verstanden und ständig verbessert. Die jeweils Verantwortlichen tragen Sorge, dass alle unternehmensrelevanten Prozesse beherrscht werden, effizient sind und reibungslos funktionieren. Dabei gilt der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) als wichtigstes Grundprinzip. Er setzt eine innere Haltung bei allen Mitarbeitern des Unternehmens voraus, die durch Förderung kreativer Denkansätze und spezielle Methoden und Modelle der Personalentwicklung befördert werden kann.

6. Kundenzufriedenheit

Die Kenntnis der Kunden und Märkte und die Ermittlung von Kundenwünschen und -zufriedenheit sind von ganz zentraler Bedeutung für das Unternehmen. Die Kundenorientierung ist somit ein wesentlicher Teil dieses Qualitätsmanagement-Modelles. Allein der Kunde entscheidet über den Erfolg des Unternehmens. Jede Leistung, sei es ein Produkt oder eine Dienstleistung muss den Wünschen und Bedürfnissen des Kunden entsprechen. Nur so kann das Unternehmen überhaupt Umsätze generieren und erfolgreich am Markt agieren. Das Ergebnis bestmöglicher Kundenorientierung wirkt auf das Unternehmen zurück. Es führt nicht nur zu zufriedenen, treuen Kunden, sondern stärkt auch die Marktposition und gewährleistet langfristigen Erfolg. Das wiederum motiviert die Mitarbeiter, ihr Bestes zu geben.

7. Mitarbeiterzufriedenheit

Die Ermittlung der Mitarbeiterwünsche und Mitarbeiterzufriedenheit ist eine der Besonderheiten des EFQM-Modells. Die allgemeine und spezielle Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz, dem Gehalt und den Vorgesetzten bestimmt wesentlich die Motivation der Mitarbeiter — und damit die Qualität der Arbeitsergebnisse.

8. Auswirkung auf die Gesellschaft

Gesellschaftliche Anforderungen, Gesetze und Vorschriften werden erfüllt. Das Unternehmen oder die Organisation und sämtliche Mitarbeiter orientieren sich an diesen Anforderungen und verhalten sich ethisch einwandfrei. Das EFQM-Modell entwickelt sich weiter in Bezug auf Öko-Bilanzen und Nachhaltigkeit.

9. Geschäftsergebnisse

Exzellente Ergebnisse können langfristig nur erreicht werden, wenn die Interessen aller Beteiligten in einem ausgewogenen und fairen Verhältnis berücksichtigt werden.

Seit 2010 gilt ein neues EFQM-Modell. Acht Prinzipien und deren zugrunde liegenden Konzepte wurden neu formuliert. "Das neue Modell berücksichtigt verstärkt aktuelle Trends wie Risikomanagement und Nachhaltigkeit. Die Konzepte sind insgesamt handlungsorientierter und verständlicher ausgerichtet."
Zitiert nach: weka.de